Vorträge, Exkursion und Diskussion

Prof. Gunter Kennel (LKMD EKBO) thematisierte am 25. Mai 2017 in einem Kommunikationsmodell die Rolle von Orgelmusik im kirchlichen Kontext und gab dazu einen historischen Überblick.

Am 26. Mai wurde bei einer Exkursion die frisch renovierte Wagner-Orgel in der Nachbargemeinde Schönwalde/Glien besucht. Die 1739 eingeweihte Orgel ist eine der wenigen noch recht vollständig erhaltenen Instrumente dieses bedeutendsten preußischen Orgelbauers. Kantorin Heike Thiemann zeigte in einem Vortrag, welche Detailgenauigkeit bei der Restauration einer historischen Orgel erforderlich ist. Und ihre klangliche Vorführung zeigte die Schönheit und Vielseitigkeit des Ergebnisses.

Am 27. Mai 2017 wurde zunächst die 2015 erbaute Hugo Mayer-Orgel in der Lutherkirche durch das Projektteam (vertreten durch Dr. Martin Kückes) und den Orgelbauer Stephan Mayer vorgestellt, Michael Reichert führte mit Improvisationen die Orgel klanglich vor. Die Orgel ist auf das kirchliche Umfeld „zurechtgeschneidert“: Im Stil der elsässischen Reformbewegung vereint die Orgel das Beste aus dem deutschen und dem französischen romantischen Orgelbau. Sie hat keine Angst vor großen Emotionen, ist mit der leichtgängigen Traktur und der Winddrossel für Jazz und zeitgenössische Musik bestens geeignet und besticht mit ihrer kantablen und durchsichtigen Polyphonie auch bei Barockmusik.

Danach wurde in einer Podiumsdiskussion mit anschließender Publikumsbeteiligung darüber diskutiert, was zu tun ist, damit künftig Orgelmusik bei Verkündigung helfen kann. Es diskutierten:

Heike Ittmann, Kantorin, Lampertheim

Kord Michaelis, LKMD EKiBa, Karlsruhe

Magnus Windelen, Laukhuff GmbH, Weikersheim, Beirat BDO

Prof. Dr. Matthias Schneider, Uni Greifswald, Präsident GdO

Claus Fischer, Redakteur MDR/RBB (Moderation)

Nach der Begrüßung durch Propst Dr. Christian Stäblein (EKBO) wurde zunächst die Nachwuchssituation beleuchtet; alle Schulkinder sollten einmal eine Orgel kennen gelernt haben. Die Kirchenmusiker-Ausbildung sollte dazu führen, dass mit vielseitigen Stilrichtungen auf die Zuhörer vor Ort eingegangen werden kann (jeder Zuhörer hat andere Zugänge zur Musik). Dies sollte dann von den tätigen Kirchenmusikern in die Praxis umgesetzt werden. Beim Orgelbau ist der Kompromiss zwischen technischen Innovationen und Verwendung bewährter Technik immer wieder neu zu finden. Es bestand Konsens, dass bei den genannten Prozessen die Einhaltung hoher Qualitätsstandards wichtig ist. Eine der notwendigen Voraussetzungen ist eine entsprechende finanzielle Ausstattung der Gemeinden und Entlohnung der Kirchenmusiker.