Lufft – Daniel Glaus und Hans Koch

„Lufft“ mit Doppel-f heißt das Duoalbum, das der Organist Daniel Glaus mit dem Bassklarinettisten Hans Koch live im Berner Münster eingespielt hat, und dieser  lautmalerische Doppelkonsonant führt auch gleich zur Besonderheit dieser CD: der winddynamischen Orgel. Dabei handelt es sich um ein Instrument, bei dem der Spieler rein durch Tastensteuerung die Dynamik, Klangfarbe und Tonhöhe beeinflussen kann. Glaus, der unter anderen bei Gerd Zacher Orgel sowie bei Klaus Huber Komposition studierte, hat selbst mit einem Team eine solche winddynamische Orgel entwickelt.

In sechs verschiedenen Stücken, die alle die „Lufft“ im Titel tragen, lotet er die ungewöhnlichen klanglichen Möglichkeiten aus, die durch die innovative Technik entstehen, und tritt dabei in einen Dialog mit Hans Kochs Bassklarinette ein, der in faszinierende Klangwelten führt.

Das klingt im dritten Stück zirpend und schrill wie ein aufgeregter Tropenvogel-Schwarm, wild anarchisch in Stück Nr. 4, während sich in der melodisch reduzierten Nr. 5 eine karge Winterlandschaft in fahlem Sonnenlicht aufzutun scheint. Die große Vielfalt der musikalischen Ereignisse dürfte auch in den unterschiedlichen musikalischen Prägungen der beiden Musiker wurzeln. So wurde Glaus’ Schaffen vor allem von Neue-Musik-Komponisten beeinflusst, während Koch von Projekten mit Free-Jazzern wie Cecil Taylor oder Paul Bley profitierte.

Insgesamt gelang hier ein spannendes, klanglich komplexes Album, das allerdings volle Konzentration erfordert und sich nicht jedem beim ersten Hören gleich erschließen dürfte.

Mario-Felix Vogt