Gabriel Iranyi – Wie man zum Stein spricht

Gabriel Iranyi (*1946) ist ein Komponist rumänisch-ungarisch-jüdischer Herkunft. Er nahm in den siebziger Jahren im Rahmen der Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik Unterricht bei Ferneyhough, Lachenmann und Halffter; weitere Anregungen kamen von Ligeti, Kurtág, und Feldman. Seit 1988 lebt Iranyi in Berlin. Sein Schaffen ist von drei verschiedenen Kulturen geprägt: Rumänien, Israel und Deutschland. Zum einen spielen historische jüdische Schriften für seine Werke eine wichtige Rolle, zum anderen Autoren wie Celan, Brecht oder Hölderlin.

Für Iranyi soll Musik nichts erzählen, nichts malen und nichts illustrieren, sie soll nur ihrer eigenen konstruktiven Logik folgen. Seine Werke basieren oft auf mehrtönigen Motiven, die das gesamte melodische und akkordische Material des jeweiligen Stücks bilden und durch Techniken wie Umkehrung oder Krebs bearbeitet werden.

Dominik Susteck hat Iranyis Orgelwerke nun auf CD eingespielt. Neben reinen Orgelwerken enthält das Album auch ein Stück für Violine und Orgel, dem der 121. Psalm zugrunde liegt, sowie „Verborgene Landschaften“ für Violine solo.

Susteck nutzt die exorbitanten klanglichen Möglichkeiten der Neue-Musik-Orgel in der Kölner Kunststation St. Peter und bewältigt die hohen virtuosen Anforderungen absolut souverän. Bisweilen lässt er das Instrument wabern, sirren, schnattern und zwitschern, doch die Klänge werden stets im Dienste der Musik eingesetzt. Die mit Temperament und Schmackes agierende Geigerin Sabine Akiko Ahrendt ist eine adäquate musikalische Partnerin.

Mario-Felix Vogt