Buxtehude_21 – On The Bridge

Ein vielschichtiges Programm haben der Organist Franz Danksagmüller und der Saxophonist Bernd Ruf für ihr Album „On The Bridge“ zusammengestellt. Da findet sich ein Präludium von Dietrich Buxtehude neben einem Stück seines Amtsvorgängers an der Lübecker Marienkirche Franz Tunder, eine Oboensonate von Georg Friedrich Händel sowie vier Gemeinschaftskompositionen der beiden Interpreten, deren Titel mal tagesaktuellen Bezug haben und ein andermal auf Buxtehude oder Bach rekurrieren. Dabei gehen die beiden Musiker sehr frei mit den Originalwerken um, wechseln sich bei den Themen ab, fügen diesen repetitive Begleitmuster und Improvisationen hinzu und setzen auch bei den Barockwerken Live-Elektronik ein, was diese in ein völlig neues Licht rückt.

In seinen weit gespannten, melancholisch gefärbten Melodiebögen erinnert  Bernd Ruf auf dem Sopransaxophon bisweilen an den Norweger Jan Garbarek, allerdings verfolgt Ruf ein anderes Klangideal, erinnert mit seinem runden Ton eher an Branford Marsalis. Danksagesmüller favorisiert auf der Stellwagen-Orgel von St. Jakob/Lübeck die warmen Klänge, die das strahlende Timbre des Saxophons mal in dunkle Wolken hüllen, und ein andermal ein wohliges Nest bieten. Den Höhepunkt des Albums bilden zweifelsohne die originellen Eigenkompositionen, unter denen „Dow Jones“, bei dem eine gesprochene Börsennachricht musikalisch kommentiert wird, besonders heraussticht. Ein spannendes Album, das gekonnt Barockmusik, elektronische Klänge und Improvisation amalgamiert und so etwas Neues entstehen lässt.

Mario-Felix Vogt